Handyscouts für Senioren

 Ob Smartphone, Tablet oder Notebook – wer kann darauf noch verzichten? Auch die ältere Generation kann das immer weniger, man denke nur an die Telemedizin, die besonders für Senioren noch mehr an Bedeutung gewinnen wird. Die 69-jährige Anni Mextorf aus Bredstedt hat zwar Erfahrung mit Handys als – wie sie sagt – unverzichtbare Begleiter, doch ein Smartphone hat sie noch nicht besessen. „Ich habe von meiner Tochter eines geschenkt bekommen. Das meiste habe ich mit Hilfe der Bedienungsanleitung herausgefunden. Nur das Verschicken von Bildern klappt nicht“, berichtet sie.

Eine Bekannte habe ihr erzählt, dass Handy-Scouts der Gemeinschaftsschule Bredstedt regelmäßig im Tondern-Treff aufschlagen. Nach dem Motto „Jung hilft Alt“ würden sie Fragen beantworten und Probleme mit der modernen Technik lösen. Sieben Mitstreiterinnen und Mitstreiter gesellen sich zu ihr. In die muntere Runde klinken sich nach und nach drei junge Herren aus dem zehnten Jahrgang der Bredstedter Bildungseinrichtung ein. Mit dabei sind Diyar Kasha, Leo Schnack und Erk Christiansen. Joy Langwasser und Lene Marie Christiansen sind verhindert.

Rasch entwickeln sich Gespräche untereinander und mit den Jugendlichen. Die Senioren kommen sehr schnell zur Sache und schildern ihre Probleme. An drei Tischen verteilt geht es nun rund um die Welt von Smartphone und Co. Auch die Projektleiterin für das Fach „Medienscouts“ an der Gemeinschaftsschule, Svea Franz, ist dabei, um ihre Schüler zu unterstützen.

Diyar zeigt Mextorf wie das geht mit dem Versenden von Bildern. „Schreiben Sie sich bitte die einzelnen Schritte auf“, empfiehlt der Schüler. Sie folgt dem Rat. Schnell hat sie es drauf und schickt Fotos direkt an ihre Tochter. Auch Ella Brodersen aus Breklum hat ein nagelneues Smartphone dabei. „Ich habe alles eingerichtet, nur Whatsapp noch nicht. Da will ich mir lieber helfen lassen“, informiert sie Leo. Jeden Schritt arbeitet er langsam mit der Seniorin ab. „Ja, man muss es einmal in Ruhe gemacht haben, dann geht das auch“, bestätigt Brodersen. „Ich finde, dass wir Älteren ein Smartphone brauchen. Wie schnell kann was sein. Dann brauchen wir Hilfe und das geht damit schneller“, sagt sie. Edith Sönksen aus Breklum ist mit Ehemann Bernd dabei. Während ihr Gatte schon sehr gut klar kommt, braucht sie etwas mehr Einweisung. Erk ist an ihrer Seite und erklärt die Funktion des Fotoapparates und die Geheimnisse von Whatsapp. Schließlich, so die Seniorin, wolle sie ja auch gern Kontakt mit ihren Enkelkindern haben.

„Ich bin stolz auf die Jugendlichen. Vor zwei Jahren, im achten Jahrgang, haben sie ihr Zertifikat Medienscout erworben und immer noch opfern sie gern und freiwillig ihre Freizeit für die Senioren“, sagt die Fachlehrerin. Die Zusammenarbeit mit dem Tondern-Treff habe sich eher zufällig nach einem Gespräch mit der Leiterin ergeben. Beide Seiten profitierten von der Kooperation. Und Bedarf sei da. „Seit Herbst 2016 bieten wir einmal monatlich ab 16 Uhr ein Treffen mit den Handy-Scouts an. Das ist schon eine Erfolgsgeschichte geworden“, ist sich das Leitungsteam mit Dörte Stöber und Margret Werth einig. Zwischen zehn und 20 Senioren sind meistens dabei. Die Termine werden je nach Anfrage festgesetzt. Daher sei eine Anmeldung, ob telefonisch oder vor Ort, wichtig.

Was wirklich besonders ist, findet Stöber, dass die jungen Leute freiwillig und immer pünktlich erscheinen. „Sie haben wirklich eine Engelsgeduld, sind immer freundlich und motiviert“, ergänzt Werth.

Anmeldungen im Tondern Treff oder telefonisch unter 04671/9432696. rah

 

Artikelquelle und Bildquelle: http://zeitung.shz.de/husumernachrichten/1767/article/718759/9/2/render/?token=61812d2802512654232deb70f1c029e6 (24.04.2018)